Berichte 2019

Paracelsus, Schweizer, Österreicher, Deutscher, Europäer

Paracelsus

Gemäss seinem mehrfach preisgekrönten Biographen Dr. phil. Pirmin Meier, ist Theophrastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, ein Europäer fürs Bilderbuch: Geboren 1493 bei Einsiedeln, lebte er in Kärnten, war Bürger der Stadt Strassburg, wie Kopernikus Doktor von Ferrara, stammte von einer schwäbischen Johanniterfamilie ab, wurde 1539 in der Stadt Pressburg (Bratislava) vom Kaiser geehrt und verstarb am 24. September 1541 in Salzburg.

Dr. Pirmin Meier

Der Referent, Vorstandsmitglied der Internationalen Paracelsus-Gesellschaft Salzburg und Buchautor – sein Standardwerk „Paracelsus, Arzt und Prophet“ wurde u.a. mit dem Bodenseeliteraturpreis der Stadt Überlingen sowie dem Innerschweizer Kulturpreis ausgezeichnet – brachte uns die Person Paracelsus und sein Wirken in Europa näher.

Wie Hippokrates glaubte Paracelsus an eine Behandlung, die vom Körper als einem Ganzen ausgeht und an die Heilkraft des Körpers selbst.
Paracelsus war ein glänzender Diagnostiker. Er war der erste, der davon ausging, dass Lungenkrankheiten von Bergarbeitern durch Einatmen metallischer „Dämpfe“ verursacht wurden und nicht von bösen Geistern. Er fand einen Zusammenhang zwischen niedrigem Mineralgehalt von Trinkwasser und der Verbreitung von Kröpfen. Seine Beschreibung der Syphilis war eine bahnbrechende Abhandlung, in der erstmals eine Behandlung mit einer Quecksilbermischung vorgeschlagen wurde.

Generalversammlung 2019

Die Generalversammlung der Österreichisch Schweizerischen Kulturgesellschaft fand am Donnerstag, 9. Mai 2019 im Restaurant BELVOIRPARK statt.

Die langjährige Präsidentin Dr. Ingrid Reinisch trat zurück und wurde von der Versammlung zum Ehrenmitglied ernannt. Aus dem Vorstand verabschiedet wurden auch Frau Christine Sigg und in Abwesenheit Frau Elisabeth Terrasi. Der verbleibende Vorstand wird das Präsidium kollegial wahrnehmen.

Zu Revisoren wurden die Herren Dr. Emil Schreyger und Erich Herbist gewählt.

Robert Nef

Im Anschluss an die Generalversammlung sprach Robert Nef über den „Charme der österreichischen Aufklärung“. Als «Aufklärung» wird eine Bewegung bezeichnet, in der der Mut sich seines eigenen Verstandes zu bedienen und allen blinden Glauben und alle traditionellen Überlieferungen konsequent in Frage zu stellen, im Zentrum steht. Die Österreichische Aufklärung war die späteste, dafür die komplexeste, weil sie insbesondere auch den Charme der Selbstkritik und der Offenheit hat. Der «Charme» wurde erklärt an Hand von Beispielen österreichischer Vertreter der Aufklärung (Marie von Ebner Eschenbach, Johann Nepomuk Nestroy, Franz Grillparzer, Robert Musil und die österreichische Schule der Nationalökonomie, auch «Wiener Schule» oder Austrian Economy genannt). „Sie zweifeln, wenn sie träumen, an ihren Träumen und wenn sie denken, an ihren Gedanken und sie leben damit in einer bewundernswerten Distanz zu übertriebenem Träumen und übertriebenem Denken. “

Ein gemütliches, feines Nachtessen rundete den Abend ab.

Beruf Dirigent

Professor Ralf Weikert gab am 9. April einen Einblick in das Leben eines Dirigenten – «den Mann im Frack, der vor dem Orchester steht und als einziger Musiker keinen einzigen Ton von sich gibt, der stattdessen – wie Kollege Bernard Haitink sagt – vor sich mit den Händen die Luft zerteilt».

Ralf Weikert: Beruf Dirigent
Ralf Weikert: Beruf Dirigent, mit Disco-/Videografie, Personenverzeichnis, 189 S., geb., Böhlau, Wien u. a. 2017, ISBN 978-3-205-20530-2

Mit amüsanten Anekdoten unterlegt erfuhren wir, was es alles braucht, um den hohen Ansprüchen einer Dirigentenlaufbahn zu genügen: neben musikalischen Verstand und Gehör auch Allgemeinbildung und «Geschmack».

Ralf Weikerts eindrückliche Laufbahn führte über die Ausbildung in Wien bei Hans Swarowski, den Gewinn erster Preise bei den Wettbewerben in Kopenhagen (Nicolai-Malko-Wettbewerb) und Salzburg (Dr. Karl Böhm-Preis für junge österreichische Dirigenten). Nach Engagements in Bonn und Frankfurt und vielen Gastspielen in Wien, München, Hamburg, Stuttgart, etc. wurde er 1984 für 9 Jahre Musikdirektor an der Oper in Zürich. Als freischaffender Dirigent gab und gibt er Gastspiele an allen grossen Opernhäusern der Welt – von USA über Europa bis Fernost.

Ralf Weikert vermittelte uns eindrücklich, dass er den für ihn schönsten Beruf ausüben kann und darf.


Gugging, von der Heil- und Pflegeanstalt zum Kunstzentrum

Feilacher
Prof. Johannes Feilacher

Prof. J. Feilacher – künstlerischer Direktor und Kurator des Museums Gugging berichtete am 28. März 2019 im Lyceumclub über Kunst und Psyche:

Gugging
Haus der Künstler

Das Haus der Künstler in Gugging, 15 km nördlich von Wien, beherbergt Menschen, die eine Betreuung brauchen und gleichzeitig ein besonderes Talent haben. Der Psychiater Leo Navratil gründete 1981 in Gugging das Zentrum für Kunst-Psychotherapie. 1986 wurde das Haus von Prof. Dr. Johann Feilacher in Haus der Künstler umbenannt und ist bis heute Kernstück des Kunstzentrums Gugging. Seit 1981 leben und arbeiten dort Menschen, die durch die hohe künstleri­sche Qualität ihrer Zeichnungen, Gemälde, Schriften und Objekte als Künstler aus Gugging weltweit bekannt geworden sind. Sie zählen zu den bedeutenden Vertretern der Kunstrichtung Art Brut. Prof. Feilacher stellte einige Künstler und ihre Werke vor und berichtete über weltweite Ausstellungen.


Erforschung des Jupitermonds Europa

Prof. Dr. Peter Wurz, Universität Bern

Prof. Dr. Peter Wurz, Leiter Weltraumforschung  und Planetologie der Universität Bern, informierte am 12.2.2019 im Lyzeumclub über den letzten Stand der Erforschung des Jupitermonds Europa.

Jupitermond Europa

Der Jupiter Mond Europa ist der zweit innerste Mond des Planeten Jupiter. Er ist mit einem Durchmesser von 3121 km der kleinste der vier großen Jupitermonde und der sechstgrößte Mond im Sonnensystem und etwas kleiner als unser Mond.

Er ist von einem globalen Ozean unter einer geschlossenen Eisdecke bedeckt. Die auf Fotos sichtbare Linenstruktur entsteht durch Bewegungen der Eisoberfläche auf Grund von Gravitationsänderungen bedingt durch die eigene Umlaufbahn und die der übrigen Monde. Im Ozean wäre theoretisch primitives Leben möglich. Prof. Wurz informierte über vergangene und zukünftige Missionen von NASA und ESA. Auch eine Landung am Mond Europa ist geplant.

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Gehn, ma Tauben vergiftn

Georg Kreisler

Am Sonntag, den 13. Januar durften wir im Zunfthaus zur Waag Lieder von Georg Kreisler geniessen. Sie faszinierten auch noch fünfzig Jahre nach ihrer Entstehung. Unter anderem hörten wir „Tauben vergiften“, „Der Musikkritiker“ und „Opernboogie“. Die rabenschwarzen Chansons wurden perfekt vorgetragen von Christoph Cajöri, Gesang und Pawel Mazurkiewicz, Klavier. Wir erfuhren auch so einiges aus dem interessanten Leben von Georg Kreisler. Er war der Pianist von Charlie Chaplin und Dolmetscher bei den NAZI Prozessen in Nürnberg und versuchte sich als Opern-Komponist.

Paweł Mazurkiewicz und Christoph Cajöri

Das vorwiegend österreichische Publikum war erfreut darüber, wie gut sich ein Schweizer in die österreichische Mentalität von Georg Kreisler hineindenken kann.

Beim anschliessenden Apéro klang der Nachmittag gemütlich aus.


Berichte 2018