Berichte 2018

Am Donnerstag, 21. Juni 2018, besuchten wir das

NEST ist kein Museum, sondern vielmehr ein lebendes Laboratorium: Innovationen werden validiert, indem im Gebäude gleichzei-tig gewohnt, gearbeitet oder Fitness und Well-ness betrieben wird.

NEST (Next Evolution in Sustainable Building Technologies)

Im modularen Forschungs- und Innovationsgebäude NEST auf dem Campus der Empa und Eawag in Dübendorf arbeiten nationale und internationale Forscher­teams aus Universitäten, Fach­hochschulen, Architekturbüros und innovative Firmen aus der Baubranche zusammen. Erklärtes Ziel des NEST ist es, den Innovationsprozess im Bau- und Energiebereich zu beschleunigen, indem nachhaltige Technologien, Materialien und Systeme entwickelt und im NEST unter realen Bedingungen validiert werden.

Schon von aussen sah man, dass es sich bei diesem Gebäude um keinen gewöhnlichen Bau handelt: NEST besteht aus einem zentralen Rückgrat und drei offenen Plattformen, auf denen einzelne Forschungs- und Innovationsmodule – sogenannte „Units“ – installiert und auch wieder ausgetauscht werden können. Diese Units wurden uns gleich zu Anfang bei einer kurzen Präsentation von Herrn Rainer Klose, Media-Officer der Empa, digital auf einer grossen Videowand vorgestellt. Wir staunten über den in einem Video anschaulich gezeigten Einsatz eines mobilen Roboters, der für die „vor-Ort-Fertigung“ von Bauelementen – also etwa einer Betonwand – programmiert wurde, wodurch auch komplexe, gekrümmte Elemente hergestellt werden können. Herr Klose erklärte auch, welch grosses Netzwerk an Spezialisten in den verschiedenen Units von NEST zusammenarbeiten.

Anschliessend konnten wir in 2 Gruppen, begleitet von Herrn Klose und Herrn Stephan Kälin, ebenso Media-Officer, bei einer Führung im Gebäude das NEST persönlich erleben und die zahlreichen Innovationen aus dem Bau- und Energiebereich sehen:

  • In der Wohneinheit Vision Wood lernten wir neue Holzelemente wie z.B. ein wasserabweisendes Holz-Lavabo, ein durch Einbringen von Eisenoxid-Nanopartikel magnetisiertes Holzboard sowie witterungsbeständige Bambusplatten und -möbel für die Terrasse kennen.
  • In der Unit Solare Fitness & Wellness schwebten 3 ellipsoid-förmige Saunen über den Köpfen unserer Besuchergruppe. Dass sie über körperliches Training der Nutzer dieses Fitnessbereichs, also über Muskelkraft, beheizt werden, wurde von den Spezialisten des NEST eindrucksvoll erläutert. Über Solarzellen in der Glasfassade, eine CO2-Wärmepumpe und die Nutzung von Abwärme wird ein geschlossener Kreislauf und damit eine nachhaltige Energienutzung garantiert.
  • Höhepunkte in der Unit UMAR (Urban Mining & Recycling), einem von Forschern bewohnten Wohnmodul, waren eine Küchenarbeitsplatte aus rezyklierten und eingeschmolzenen Glasscherben, eine Wand aus unter Druck und Wärmeeinwirkung verfestigten Tetrapaks sowie eine Backsteinwand ohne Bindemittel.

Den Abschluss bildete ein Apéro im NEST mit reichlich Gelegenheit zu vertiefenden Fragen.

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Weitere Infos zum NEST: https://www.empa.ch/de/web/nest/overview
bzw. ein kurzer Radiobeitrag über die Gebäudeeinheit Solare Fitness & Wellness des NEST: http://tv.empa.ch/empa_audio_SolareFitness-20170912.MP3


Ruth Werfel
Ruth Werfel

Ruth Werfel, die Grossnichte des Dichters und Autors Franz Werfel, sprach am 16.5.2018 im Lyceumclub über „Franz Werfel, Schreiben im Exil“.

Der äusserst bewegende und tiefgreifende Vortrag mit Passagen aus Werfels Werken, beleuchtete das Schicksal von Franz Werfel und seiner Frau Alma Mahler Werfel. Nach dem Einmarsch von Hitlers Truppen in Österreich flohen sie zunächst in den Süden von Frankreich nach Sanary-sur-mer. In Lourdes gelobte er der Jungfrau Maria, ein Buch über die Heilige Bernadett zu schreiben, wenn seine Familie heil nach Amerika komme. Nach vielen Schwierigkeiten und nach einer Überquerung der Pyrenäen zu Fuss, gelangten sie 1940 nach New York und später nach Californien. Werfel hielt sein Gelübde, der Roman „Das Lied von Bernadette“ wurde ein riesen Erfolg und mit Jennifer Jones als Hauptdarstellerin verfilmt.

Insgesamt verfasste er im Exil 6 Romane, sowie die Komödie „Jacobowsky und der Oberst“, die mit Curd Jürgens und Danny Kaye ebenso erfolgreich verfilmt wurde.

Den Abschluss bildetet ein Gedicht vom Franz Werfel

Und doch

Und doch! Sonne und Wälder toben vorbei,
Eis steht im Teich. Windmühlen wunderbar
tanzen am Himmel, und eine Vogelschar
hängt im Unendlichen frei.

Alma und Franz Werfel

Prof. Dr. Karl Vocelka
Prof. Dr. Karl Vocelka

Am 12.4.2018 referierte Prof. Dr. Karl Vocelka über die beliebte „Herrscherin und Landesmutter – Maria Theresia“, die durch die „Pragmatische Sanktion“ die Nachfolge ihres Vaters, Karl VI antrat. Kurz darauf wurde sie mit der Aggression Preussens konfrontiert, die sich in den beiden Schlesien­­­kriegen als erfolgreich erwies. In Friedrich dem Grossen stand die Monarchin einer ebenbürtigen Persönlichkeit gegenüber, die im Gegensatz zu ihr über ein hervorragend ausgerüstetes Heer verfügte, das im damaligen Europa wohl die effizienteste Schlagkraft aufwies. Als gekrönte Königin Ungarns wurde sie von den ungarischen Husaren unterstützt. Gleichzeitig musste die Herrscherin im Österreichischen Erbfolgekrieg ihre Ansprüche u.a. gegen die Bayern, Spanien, Sachsen und Frankreich verteidigen und suchte Verbündete in Grossbritannien und den Niederlanden. Der Siebenjährige Krieg, in den sie involviert war, kann als 1. Weltkrieg bezeichnet werden. Dieser internationale Konflikt drehte sich im Prinzip um die überseeischen Kolonien Englands und Frankreichs. Letztlich verlor sie Schlesien, beteiligte sich, wenn auch widerwillig, an der Teilung Polens und gewann damit Galizien und Lodomerien.

Franz Stephan von Lothringen und Maria Theresia

Der harmonischen Ehe mit dem Lothringer Franz Stephan, der zum römisch deutschen Kaiser gekrönt wurde, entstammten 16 Kinder, die zum Teil mit den französischen Bourbonen verheiratet wurden. Mit ihrem Sohn Joseph II. bestand während ihrer letzten Jahre eine konfliktreiche gemeinsame Regierung. Ihr grosses Verdienst war die „Theresianische Staatsreform“, mit der Schaffung einer Staatskanzlei, die als Zentralbehörde agierte und u.a. das Beamtentum einführte, womit sie dem Adel Kompetenzen entzog. Einer wenn auch moderaten Steuer waren fortan auch Adel und Klerus unterstellt. Eine Heeresreform resultierte in der Gründung der Militärakademie, eine Justizreform schuf ein einheitliches Strafrecht (mit Ausnahme Ungarns) und die bahnbrechende Bildungsreform verordnete die allgemeine Schulpflicht, die allerdings ebenfalls territorial begrenzt war. Als Monarchin in der Ära des aufgeklärten Absolutismus umgab sie sich mit bedeutenden männlichen Beratern, die die neu geschaffenen Institutionen mittrugen und auch von Franz Stephan an den Wiener Hof berufen wurden. Neben anderem gab ein Zensus einen erstmaligen Einblick in die Bevölkerungsstruktur und ein Katasterplan wurde ins Leben gerufen.

Prof. Karl Volcelka, der als Historiker zum 300. Geburtstag der Monarchin in Österreich mehrere Ausstellungen kuratiert hatte, verschwieg aber auch nicht ihre Schattenseiten. So veranlasste sie die Vertreibung der Protestanten nach Siebenbürgen, war eine dezidierte Gegnerin der Juden und billigte verschiedene Foltermethoden. Trotz aller Widersprüche kann sie sich als eine der bedeutendsten und beliebtesten gekrönten Häupter in der österreichischen Geschichte behaupten.

Franz Stephan von Lothringen, Maria Theresia und ihre Kinder

Monika Rühl
Monika Rühl

Monika Rühl, Vorsitzende der Geschäfts­leitung des Wirtschafts­dach­verbandes  „economiesuisse“ sprach am 20.3.2018 über das Thema: Die Schweiz in Europa – aktuelle Herausforderungen aus Sicht des Wirtschaftsdachverbandes.

In anschaulichen Worten führte Frau Rühl den Zuhörerinnen und Zuhörern die Wichtigkeit des bilateralen Weges für die Schweiz politisch und wirtschaftlich vor Augen. Der Zugang zum europäischen Binnenmarkt – dem wichtigsten Handelspartner der Schweiz – ist zentral.

Das Rahmenabkommen mit der EU soll sich auf die fünf be­stehenden Abkommen, Personenfreizügigkeit,  Luft- und Landverkehr, Agrargüter und technische Handelshemmnisse beschränken. Eine unabhängige Schiedsgerichtslösung ist auch für die „economisuisse“ der richtige Weg.

Will die Schweiz Erfolg haben, muss sie sich für offene Märkte einsetzen und sich nicht abschotten, im In- wie im Ausland.

Die Schweiz gehört zu den 20 grössten Volkswirtschaften der Welt. Wollen wir unseren Wohlstand halten, müssen wir uns bewegen. Wir haben einen dringenden Reformbedarf in verschiedenen Bereichen: die Steuern, die Beziehung zu Europa oder die Altersvorsorge. Dieser gehört schnell umgesetzt, um die Rahmenbedingungen zu schaffen, die die Unternehmen für ihren Erfolg brauchen. Sie müssen ihrerseits innovativ und attraktiv bleiben und die Kosten im Griff haben.

Christine Sigg und Monika RühlIn der an­schliessenden lebhaften Diskussion wurde auch die Frage nach dem offenbar gespannten Verhältnis von „economisuisse“ und Gewerbeverband gestellt.

Frau Rühl führte aus, dass beide Verbände sehr oft am gleichen Strang zögen, die Medien aber gerne kleine Meinungsverschiedenheiten aufbauschten.


Prof. Dr. André Holenstein

Prof. Dr. André Holenstein stellte am 22.2.2018 in einem hervorragend dokumentierten Bericht über  „Die Schweiz – eine Willensnation?“ fest, dass das Land entgegen der gängigen  Meinung keines­­wegs eine Willensnation genannt werden kann. Die alten Eidgenossen stützten sich jeweils nach Bedarf auf temporäre Bündnisse zur Landesfriedenssicherung und ver­ein­barten Handelsverträge untereinander und mit den Grossmächten. Sie grenzten sich aber gleichzeitig gegen Vereinnahmung von aussen ab. Der Wille zur Gründung eines Bundesstaates fehlte schon wegen der Heterogenität der Regionen. Es war Napoleon , der den Föderalismus verordnete und der Wiener Kongress zwang 1815 dem Staatenbund die immerwährende Neutralität, Souveränitat und ein eigenes Heer auf. Erst nach dem Sonder­bundkrieg einigten sich die Kantone auf einen Bundesstaat.

Holenstein

Der ausgezeichnete Vortrag warf ein neues Licht auf die Entstehung der Schweiz.


Pietro Giovanoli
Prof. Dr. Pietro Giovanoli

Am 25.1.2018 referierte Prof. Dr. Pietro Giovanoli über das „Wunderwerkzeug Hand  und die Entwicklung der Handchirurgie bis heute“. Mit eindrücklichen Bildern zeigte er die chirurgischen Eingriffe bei den vielfältigen Verletzungen, Erkrankungen und Missbildungen an diesem so unentbehrlichen Werkzeug, das den Menschen erst zum „homo laborans“ macht.

Dieser Zweig der Chirurgie entstand erst relativ spät und entwickelte sich bis zum Einsatz aktionsfähiger Prothesen.

Die Zuhörer stellten dem Vortragenden viele Fragen und diskutierten noch angeregt beim anschliessenden Apéro.


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