Berichte 2018

Prof. Dr. Karl Vocelka
Prof. Dr. Karl Vocelka

Am 12.4.2018 referierte Prof. Dr. Karl Vocelka über die beliebte „Herrscherin und Landesmutter – Maria Theresia“, die durch die „Pragmatische Sanktion“ die Nachfolge ihres Vaters, Karl VI antrat. Kurz darauf wurde sie mit der Aggression Preussens konfrontiert, die sich in den beiden Schlesien­­­kriegen als erfolgreich erwies. In Friedrich dem Grossen stand die Monarchin einer ebenbürtigen Persönlichkeit gegenüber, die im Gegensatz zu ihr über ein hervorragend ausgerüstetes Heer verfügte, das im damaligen Europa wohl die effizienteste Schlagkraft aufwies. Als gekrönte Königin Ungarns wurde sie von den ungarischen Husaren unterstützt. Gleichzeitig musste die Herrscherin im Österreichischen Erbfolgekrieg ihre Ansprüche u.a. gegen die Bayern, Spanien, Sachsen und Frankreich verteidigen und suchte Verbündete in Grossbritannien und den Niederlanden. Der Siebenjährige Krieg, in den sie involviert war, kann als 1. Weltkrieg bezeichnet werden. Dieser internationale Konflikt drehte sich im Prinzip um die überseeischen Kolonien Englands und Frankreichs. Letztlich verlor sie Schlesien, beteiligte sich, wenn auch widerwillig, an der Teilung Polens und gewann damit Galizien und Lodomerien.

Franz Stephan von Lothringen und Maria Theresia

Der harmonischen Ehe mit dem Lothringer Franz Stephan, der zum römisch deutschen Kaiser gekrönt wurde, entstammten 16 Kinder, die zum Teil mit den französischen Bourbonen verheiratet wurden. Mit ihrem Sohn Joseph II. bestand während ihrer letzten Jahre eine konfliktreiche gemeinsame Regierung. Ihr grosses Verdienst war die „Theresianische Staatsreform“, mit der Schaffung einer Staatskanzlei, die als Zentralbehörde agierte und u.a. das Beamtentum einführte, womit sie dem Adel Kompetenzen entzog. Einer wenn auch moderaten Steuer waren fortan auch Adel und Klerus unterstellt. Eine Heeresreform resultierte in der Gründung der Militärakademie, eine Justizreform schuf ein einheitliches Strafrecht (mit Ausnahme Ungarns) und die bahnbrechende Bildungsreform verordnete die allgemeine Schulpflicht, die allerdings ebenfalls territorial begrenzt war. Als Monarchin in der Ära des aufgeklärten Absolutismus umgab sie sich mit bedeutenden männlichen Beratern, die die neu geschaffenen Institutionen mittrugen und auch von Franz Stephan an den Wiener Hof berufen wurden. Neben anderem gab ein Zensus einen erstmaligen Einblick in die Bevölkerungsstruktur und ein Katasterplan wurde ins Leben gerufen.

Prof. Karl Volcelka, der als Historiker zum 300. Geburtstag der Monarchin in Österreich mehrere Ausstellungen kuratiert hatte, verschwieg aber auch nicht ihre Schattenseiten. So veranlasste sie die Vertreibung der Protestanten nach Siebenbürgen, war eine dezidierte Gegnerin der Juden und billigte verschiedene Foltermethoden. Trotz aller Widersprüche kann sie sich als eine der bedeutendsten und beliebtesten gekrönten Häupter in der österreichischen Geschichte behaupten.

Franz Stephan von Lothringen, Maria Theresia und ihre Kinder

Monika Rühl
Monika Rühl

Monika Rühl, Vorsitzende der Geschäfts­leitung des Wirtschafts­dach­verbandes  „economiesuisse“ sprach am 20.3.2018 über das Thema: Die Schweiz in Europa – aktuelle Herausforderungen aus Sicht des Wirtschaftsdachverbandes.

In anschaulichen Worten führte Frau Rühl den Zuhörerinnen und Zuhörern die Wichtigkeit des bilateralen Weges für die Schweiz politisch und wirtschaftlich vor Augen. Der Zugang zum europäischen Binnenmarkt – dem wichtigsten Handelspartner der Schweiz – ist zentral.

Das Rahmenabkommen mit der EU soll sich auf die fünf be­stehenden Abkommen, Personenfreizügigkeit,  Luft- und Landverkehr, Agrargüter und technische Handelshemmnisse beschränken. Eine unabhängige Schiedsgerichtslösung ist auch für die „economisuisse“ der richtige Weg.

Will die Schweiz Erfolg haben, muss sie sich für offene Märkte einsetzen und sich nicht abschotten, im In- wie im Ausland.

Die Schweiz gehört zu den 20 grössten Volkswirtschaften der Welt. Wollen wir unseren Wohlstand halten, müssen wir uns bewegen. Wir haben einen dringenden Reformbedarf in verschiedenen Bereichen: die Steuern, die Beziehung zu Europa oder die Altersvorsorge. Dieser gehört schnell umgesetzt, um die Rahmenbedingungen zu schaffen, die die Unternehmen für ihren Erfolg brauchen. Sie müssen ihrerseits innovativ und attraktiv bleiben und die Kosten im Griff haben.

Christine Sigg und Monika RühlIn der an­schliessenden lebhaften Diskussion wurde auch die Frage nach dem offenbar gespannten Verhältnis von „economisuisse“ und Gewerbeverband gestellt.

Frau Rühl führte aus, dass beide Verbände sehr oft am gleichen Strang zögen, die Medien aber gerne kleine Meinungsverschiedenheiten aufbauschten.


Prof. Dr. André Holenstein

Prof. Dr. André Holenstein stellte am 22.2.2018 in einem hervorragend dokumentierten Bericht über  „Die Schweiz – eine Willensnation?“ fest, dass das Land entgegen der gängigen  Meinung keines­­wegs eine Willensnation genannt werden kann. Die alten Eidgenossen stützten sich jeweils nach Bedarf auf temporäre Bündnisse zur Landesfriedenssicherung und ver­ein­barten Handelsverträge untereinander und mit den Grossmächten. Sie grenzten sich aber gleichzeitig gegen Vereinnahmung von aussen ab. Der Wille zur Gründung eines Bundesstaates fehlte schon wegen der Heterogenität der Regionen. Es war Napoleon , der den Föderalismus verordnete und der Wiener Kongress zwang 1815 dem Staatenbund die immerwährende Neutralität, Souveränitat und ein eigenes Heer auf. Erst nach dem Sonder­bundkrieg einigten sich die Kantone auf einen Bundesstaat.

Holenstein

Der ausgezeichnete Vortrag warf ein neues Licht auf die Entstehung der Schweiz.


Pietro Giovanoli
Prof. Dr. Pietro Giovanoli

Am 25.1.2018 referierte Prof. Dr. Pietro Giovanoli über das „Wunderwerkzeug Hand  und die Entwicklung der Handchirurgie bis heute“. Mit eindrücklichen Bildern zeigte er die chirurgischen Eingriffe bei den vielfältigen Verletzungen, Erkrankungen und Missbildungen an diesem so unentbehrlichen Werkzeug, das den Menschen erst zum „homo laborans“ macht.

Dieser Zweig der Chirurgie entstand erst relativ spät und entwickelte sich bis zum Einsatz aktionsfähiger Prothesen.

Die Zuhörer stellten dem Vortragenden viele Fragen und diskutierten noch angeregt beim anschliessenden Apéro.


Berichte 2017