Berichte 2020

Künstliche Intelligenz und postanaloges Menschsein

Vortrag von Prof. Dr. Dr.h.c. Walther Ch. Zimmerli: Entstehung, Entwicklung und Wirkung eines realen Mythos

Zimmerli
Prof. Walther Zimmerli

Im Rahmen von Vorbemerkungen erläutert Prof. Zimmerli, am 6. Februar 2020 im Lyceumclub, die Entwicklung der künstlichen Intelligenz (KI), von der niemand weiss, wohin sie wirklich entwickeln wird. Als Ausgangspunkt dafür nahm er den 1950 von Alan Turing skizzierten sogenannten Turing-Test bei dem ein menschlicher Fragesteller, über eine Tastatur und einen Bildschirm, ohne Sicht- und Hörkontakt, eine Unterhaltung mit zwei ihm unbekannten Gesprächspartnern führt. Der eine Gesprächspartner ist ein Mensch, der andere eine Maschine. Kann der Fragesteller nach intensiver Befragung nicht sagen, welcher von beiden die Maschine ist, hat die Maschine den Turing-Test bestanden und es wird der Maschine ein dem Menschen ebenbürtiges Denkvermögen unterstellt. Später, 1956 wurde bei der Dartmouth Konferenz der Begriff künstliche Intelligenz (KI) geschaffen. Zimmerli stellte diese Entwicklung in einen philosophischen Kontext, z.B. mit Friedrich Nietzsche.

Ausgehend davon behandele er unter dem Titel «VON HYPES UND MYTHEN» die anfänglich übersteigerten und als Hype zu bezeichnenden Erwartungen an Denkmaschinen, die nach und nach der Realität angepasst wurden. Wichtig war in diesem Zusammenhang der Fortschritt der Digitalisierung und die Anpassung der Anwender an diese Entwicklung (von digital immigrants zu digital natives). Im Nachhinein wird dies als Geburt des KI-Mythos interpretiert. Wobei der Begriff «Intelligenz» in verschiedenen Sprachen sehr unterschiedliche Bedeutung haben kann.

Von verschiedenen Vertretern der künstlichen Intelligenz wird ein Zustand der technischen Singularität vorher gesagt in dem die Fähigkeiten intelligenter Maschinen diejenigen des Menschen übersteigen. Damit wir ein weiterer Mythos in die Welt gesetzt (Singularity-Mythos). Einer der prominentesten Vertreter dieser Ansicht ist Ray Kurzweil, Leiter der Technischen Entwicklung bei Google. Seiner Ansicht nach ist die Singularität nah und nach der Überwindung biologischer Schranken würde nach 2045 eine Menschheit 2.0 geboren werden. Da dieser Prozess unaufhaltsam sei, müsse die Menschheit sich möglichst eingehend als «Trans-Human» begreifen lernen, und so dafür Sorge tragen, dass sie es sich in der Neuen Zeit einrichten könne. Um seine Mitmenschen zu überzeugen, verlässt Kurzweil damit wie kein anderer die Gutenberg-Galaxis des geschriebenen und gedruckten Wortes und prognostiziert die Geburt eines Posthumanismus-Mythos. Er vergisst dabei, dass es, was auch immer geschehen wird Mensch-Maschinen-Tandems notwendig sein werden, um die weiteren Entwicklungen zu erarbeiten. Der Mensch wird als ein digital-analoger-Konverter bleiben. Aus der Sicht des Philosophen vertieft Zimmerli dies mit einem Nietzsche Zitat aus «Also sprach Zarathustra.»: “Der Mensch ist ein Seil, geknüpft zwischen Tier und Übermensch – ein Seil über einem Abgrunde. Ein gefährliches Hinüber, ein gefährliches Auf-dem-Wege, ein gefährliches Zurückblicken, ein gefährliches Schaudern und Stehenbleiben.“

Ljubda Manz

Manz
Ljuba Manz

Unter der Moderation von Hildegard Schwaninger lernten wir am 14. Januar im Lyzeumclub die erfolgreiche Managerin Ljubda Manz kennen, die mit ihrem feinen Gespür für Menschen die Hotelkette Manz Privacy erfolgreich leitet.

Trotz der widrigen Lebensumstände in ihrer Jugend hat sie ihren Optimismus, ihren Zugang zu den Menschen und ihr Glücklichsein bewahrt. Hinter der betörend glitzernden Fassade findet sich ein grosses Herz für Kultur und benachteiligte Kinder.

Mit Anekdoten aus dem Geschäftsleben brachte Ljuba Manz die Zuhörer immer wieder zum Schmunzeln.

Im Anschluss ans Interview erstanden einige Mitglieder signierte Exemplare der Biographie, deren Erlös der Stiftung Mischka zugunsten des Waisenhauses „Marfo-Mariinski“ in Moskau zugute kommt.

Beim Apéro wurde von den Anwesenden die Gelegenheit rege genützt, sich mit Frau Manz persönlich auszutauschen.